Nationalpark Bayerischer Wald
Grenzenlose Waldwildnis
„Natur Natur sein lassen“ lautet das Motto. Und in der tat nirgendwo zwischen Atlantik und Ural darf sich die Natur auf so großer Fläche nach ihren ureigenen Gesetzen zu einem wilden Wald entwickeln.
Das Panorama der Berggipfel vermittelt die endlose Weite der Wälder des bayerisch-böhmischen Grenzgebirges. Zahlreiche erfrischende Bergbäche mit Kaskaden und kleinen Wasserfällen nehmen hier ihren Ursprung.
Blühende Hochstauden wie Österreichische Gemswurz oder Waldgeißbart und anspruchsvolle Baumarten wie Esche oder Spitzahorn säumen die Ufer. Moränenwälle und der sagenumwobene Rachelsee sind Zeugen der letzten Eiszeit, die hier vor ca. 8.000 Jahren zu Ende ging. Hochmoore und Auen bergen als Rückzugsgebiete Überlebenskünstler des Tier- und Pflanzenreiches.
Drei unterschiedliche Waldtypen umfasst der Nationalpark:
· den Aufichtenwald in vernässten Tälern mit Kaltluftstau
· den Bergmischwald mit Fichten, Tannen und Buchen an den wärmebegünstigten Hängen
· ab ca. 1200 m Seehöhe im rauen Klima mit langen, schneereichen Wintern den
Bergfichtenwald
Sie beherbergen die typische Tier- und Pflanzenwelt der Bergwälder in Mitteleuropa, darunter so seltene Arten wie Uhu, Dreizehen- und Weißrückenspecht oder die kleinste Eule Europas, den Sperlingskauz sowie Luchs und Schwarzstorch, die Soldanelle, die Charakterblume der feuchten Bergwälder und den Böhmischen Enzian.
Der Wanderer begegnet im Nationalpark aber nicht nur ursprünglichen Wäldern, die eine Vorstellung der einstigen Urwälder in Deutschland vermitteln. Ganz unvermittelt und hautnah sieht er sich im Zwiespalt versetzt. Infolge heißer, trockener Sommer Mitte der 90er Jahre und schneearmer Winter brachte ein 3 – 5 mm großer Winzling, der Borkenkäfer, auf großer Fläche den alten Fichtenwald insbesondere in den Hochlagen um Lusen und Rachel zum Absterben. Im Schutze der alten Baumskelette und noch Jahrzehnte später auf dem liegenden Moderholz wächst zum Erstaunen des Betrachters eine neue, ungemein vielfältige Baumgeneration zu einer grenzenlosen Waldwildnis heran.

|
Daten - Zahlen - Fakten
|
Lage: In den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau an der Grenze zur Tschechischen
Republik |
| Größe: 243 km² |
| Gründung: 1970 und 1997 erweitert |
| Höhenlage: Zwischen 600 m (Kolbersbach) und 1453 m (Großer Rachel) |
| Geologie: Überwiegend Granite und Gneise |
Klima: Rauh, mit kontinentaler Tönung. Lange, schneereiche Winter und kühle feuchte
Sommer |
| Eigentümer: Freistaat Bayern-Staatsforstverwaltung |
Auf Erlebniswegen
.......dem wilden Wald entgegen
Zum ersten Mal seit unsere Vorfahren vor Jahrhunderten den Urwald für sich als Lebensraum rodeten, haben wir heute im Nationalpark Bayerischer Wald wieder die Chance zu beobachten, wie Waldwildnis entsteht. Erlebniswege erschließen dem Besucher den „wilden Wald“ auf naturschonenden Holzstegen in sonst schwer zugänglichen Waldgebieten. Die Geburtsstunde der Urwälder von morgen wird zur Faszination.
Seelensteig
Ein lokaler Gewittersturm riss im Sommer 1983 große Löcher in die Bergmischwälder am Fuße des Rachels. Abertausende Kubikmeter vom Wind geworfener Fichten türmten sich zu einem undurchdringlichen Verhau. Die Natur schaffte es, was kaum jemand für möglich hielt, in nur einem Jahrzehnt: aus einem scheinbaren Chaos einen Märchenwald zu zaubern.
Aufichtenwaldsteg
Auf dem vernässten Böden der weiten Talverebnungen bei Spiegelau wächst ein natürlicher Fichtenwald. Die flachen Wurzeln bieten nur wenig Halt. Vor allem wiederkehrende Windwürfe bestimmen hier die natürliche Waldentwicklung.
Hochwaldsteig am Lusen
Dort wo seit 1995 das scheinbar zerstörerische Werk des Borkenkäfers am vollkommensten scheint, zeigt die Natur ihre unglaubliche Kraft. Zunehmend mehr junge Fichten, Vogelbeeren oder Weiden keimen am Fuße der alten Baumstümpfe und auf Moderholz, eine junge Waldgeneration wächst heran
Urwald-Erlebnis Watzlik-Hain
Im Falkenstein-Rachel-Gebiet gibt es im wildromantischen Höllbachgespreng und um Zwieslerwaldhaus noch echte Urwälder. Ein schmaler Pfad führt als Erlebnisweg durch den Watzlik-Hain mit seinen bis zu 2 m dicken, 500 Jahre alten und über 50 m hohen Baumriesen.
Erlebnisweg Schachten & Filze
Wie an einer Kette reihen sich die Schachten in den höheren Lagen des Falkenstein-Rachel-Gebietes auf. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts weideten auf den „Almen“ des bayerischen Waldes im Sommer vornehmlich junge Rinder.
Uralte Ahorne und Buchen prägen das Bild dieser Inseln im Waldmeer.
Hochmoore werden im Bayerischen Wald Filze genannt. Die ursprünglichsten und deshalb besonders wertvollen Filze haben sich in den Verebnungen der Hochlagen erhalten. Ein naturschonender Holzbohlensteg verbindet die charakteristischen Schachten und Filze zu einem mit Informationstafeln ausgestatteten Erlebnisweg oberhalb Buchenau.
Informationszentrum
Die beste Möglichkeit zur Erstinformation besteht am Hans-Eisenmann-Haus. Das große Nationalpark-Relief gibt eine erste Orientierung. Faltblätter und Übersichtspläne detaillierte Vorschläge und das Thekenpersonal individuelle Beratung. Dieses Haus bietet aber noch viel mehr: Großes Interesse wecken die Ausstellungen über die Lebensgemeinschaft Wald oder eine faszinierende Dia-Show zum Nationalpark. Bis zur Decke reichende Baumriesen neben einem knapp einen Meter großen gleichaltrigen Baumzwerg machen mit dem Lebewesen Baum bekannt.
Wechselnde Kunstausstellungen zeigen Umwelt- und Naturthemen aus der Sicht von Künstlern. Im wahrsten Sinne des Wortes wird im Erlebnisraum Natur „begriffen“. Lebende Tiere, Frösche, Mäuse und Fische sind in Terrarien und Aquarien zu beobachten. Eine Spiel- und Bastelecke mit Naturmaterialien für Kinder, eine umfangreiche Bücherei sowie ein Nationalpark-Laden runden das Angebot ab.
Der Besuch ist, wie für alle Einrichtungen des Nationalparks, kostenlos.
In den weiträumigen Gehegen und großen Volieren des Tier-Freigeländes leben über 30 Tierarten des Bergwaldes in ihrer natürlichen Umgebung. Dazu gehören die vor 150 Jahren in freier Wildbahn ausgerotteten Wolf und Bär, die Rückkehrer Luchs und Schwarzstorch sowie Wisent, Hirsch, Wildschwein oder Fischotter, aber auch Vögel wie Uhu, Habichtskauz, Kolkrabe und Auerhuhn. Tierfotografen bieten sich sehr günstige Gelegenheiten. Reich illustrierte Texttafeln informieren über Lebensgewohnheiten, Besonderheiten und Verhaltensweisen der Tiere.
Von Weihnachten bis Ende Oktober finden täglich kostenlose Führungen statt.
Die Pflanzen- und Gesteins-Freigelände ergänzt das Informationszentrum. Über 700 Arten der Pflanzenwelt des Bayerischen Waldes, übersichtlich nach Lebensräumen geordnet, werden vorgestellt – von der bunten Welt der Wiesenblumen über die „Unkräuter“, die Pflanzen der Bachfluren und Sonderstandorte wie Moore, Tümpel, Quellen, Raine oder Blockfelder. Besonders attraktiv ist das Pflanzen-Freigelände in den Monaten mai bis Oktober. Eingebettet in das Pflanzen-Freigelände steht ein Info-Pavillon, umgeben von einem Gesteinsgarten, in dem die geologischen Verhältnisse und die Urgesteine des Bayerischen Waldes vorgestellt werden.
Öffnungszeiten
Tel.: 08558/ 96 150
Spielend die Natur begreifen
Im Waldspielgelände bei Spiegelau wird vom Kleinkind bis zum Erwachsenen jedem etwas geboten:
· Rutschbahnen
· Gerätespiele
· Materialspiele
· Eine große Wiese bietet Platz für Ballspiele oder zum Grillen.
· Wasser – als Bächlein oder Tümpel – ist einbezogen.
Eine besondere Attraktion ist der Naturerlebnispfad. Er vermittelt auf spielerische Weise die Wunderwelt des Waldes.
Ein Versammlungsbaum, eine Märchenhütte, ein Barfußpfad, ein Holzxylophon oder Summsteine begegnen Ihnen auf dieser spannenden Wanderung.
Im Wildniscamp am Falkenstein bei Zwieslerwaldhaus und im Jugendwaldheim bei Schönbrunn können Jugendgruppen und Schulklassen die faszinierende Wildnis in mehrtägigen Aufenthalten erleben.
Information und Öffnungszeiten
Informationszentrum Hans-Eisenmann-Haus
Böhmstraße 35 94556 Neuschönau
Tel.: 08558/ 96 150
poststelle@fonpv-bay.bayern.de www.nationalpark-bayerischer-wald.de
Haus zur Wildnis zwischen Zwiesel und Bayerisch Eisenstein
Das ganze Jahr über ist das Haus zur Wildnis ein attraktives Ausflugsziel.
Wildnis in einem Haus – geht das überhaupt?
Wir holen Ihnen die Wildnis nicht ins Haus, die müssen Sie draußen selbst entdecken. Das Haus zur Wildnis will Interesse und Verständnis für die dynamischen Vorgänge in der Natur wecken. Das Aufzeigen von Details soll neugierig machen auf das Selbstentdecken draußen. Denn Wildnis gibt es nicht nur in fernen Ländern, sondern auch bei uns im Bayerischen Wald, im Böhmerwald und manchmal sogar im eigenen Garten. Lassen Sie sich von den Einblicken, welche die Ausstellung bietet, überraschen und gehen Sie mit auf eine 3D-Wildnisreise im Kino. Entdecken Sie die verborgene Wildnis im Wurzelgang, auf einer abenteuerlichen Entdeckungsreise durch den Boden.
Dies und noch vieles mehr wird Ihnen im Haus zur Wildnis geboten.
Tier-Freigelände
Ein bequemer, zweieinhalb Kilometer langer Rundweg führt Sie durch das großzügig angelegte Tier-Freigelände zum Haus zur Wildnis. Beobachten Sie die Luchsfamilie, das Wolfsrudel oder die friedlich weidenden Wildpferde und Urrinder in den drei naturnah gestalteten Freigehegen. Ein überdachter Steg aus Rundholz und ein Aussichtsturm eröffnen interessante Perspektiven zur Beobachtung der Tiere.

Steinzeithöhle
Auf einer Zeitreise von der Urgeschichte bis zur Gegenwart erleben Sie in der Steinzeithöhle. Das auf einer Kunstfelsenkulisse rekonstruierte Bildfeld der Wildpferde und Auerochsen aus der berühmten Grotte Chauvet in Südfrankreich erinnert an das einstige Zusammenleben der Menschen in der Altsteinzeit mit diesen Großtieren.
Als Wildpferde und Auerochsen im Eiszeitalter danach die Landschaft zwischen Donau und Grenzkamm durchstreiften, prägten Sie und nicht der Mensch das Bild der Landschaft.
Nationalparkladen und Nationalpark-Wirtschaft
Regional und saisonal. Genießen Sie kulinarische Schmankerl aus dem Bayerischen Wald und gönnen Sie sich hier eine Verschnaufpause.
Weiterführende Informationen zum Thema Nationalpark, typische Handwerkskunst aus Glas und Holz, Eingemachtes oder hochwertiges Spielzeug sowie kreative Geschenkideen für jeden Anlass werden Ihnen im Laden angeboten
Information und Öffnungszeiten
Haus zur Wildnis, 94227 Ludwigsthal
Tel.: 09922/ 5002-0 Fax: 09922/5002 167
E-Mail: hzw@npv-bw.bayern.de www.nationalpark-bayerischer-wald.de