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Grenzenlos Wandern

Grenzenlos Wandern im Bayerischen Wald

Gibt man einem Menschen sechzig Jahr, dann muß man fast zehn Millionen Menschenleben zurückrechnen, um in der Geburtsstunde des Bayerischen Waldes zu sein – vor 530 Millionen Jahren, so sagen die Wissenschaftler.

Die Dichter aber sagen anders, schöner: „Das ist nicht ein Wald wie sonst einer, der Bayerische Wald. Er ist so schwarz wie sonst keiner – es hat ihn noch keiner gemalt wie er ist.“

Georg Britting aus Regensburg hat das so gemeint. Und es ließen sich noch viele Lobpreiser des Waldes nennen: Stifter, Kubin, Vegesack, Waldschmidt, Carossa, Peinkofer, Billinger, Watzlik.

Die Wissenschaftler aber sehen es nüchterner. Vor gut einer halben Milliarde Jahre habe sich dieses Urgebirge gebildet, eines der ältesten der Erde. Seit dieser Zeit haben Wind und Wetter, Hitze und Kälte, Hebungen und Aufwölbungen mit Erfolg versucht, dieses Gebirge von seiner einst großen Höhe auf die heutige Mittelgebirgsform herabzudrücken. Was am meisten Widerstand leistete, war und ist der schwere, blaue Granit. Er ragt noch überall heraus, wo Erosion weicheres und spröderes Material schon hinweggewischt hat.

 

So schwarz wie sonst keiner, der Bayerische Wald

Über alles aber wuchs der Wald, dicht und dunkel und schön. Wilde Tiere hausten in ihm, nährten sich von unschuldigen Rehen und hilflosen Hirschen, machten schwächeren Räubern den Garaus. Die Bäume sahen zu und die Blumen auf den Waldwiesen auch. Blumen, die heute Namen tragen, als hätten sie Dichter geschaffen, dabei warens nur Leute aus dem Volk und hie und da ein phantasiereicher Botaniker. Wer möchte da heute mit dem Salomonsiegel, dem Goldmilzkraut, dem Siebenstern, dem Sonnentau, der Mondviole oder dem Bergweidenröschen grob umgehen? Da böten sich vom Namen her viel eher die Teufelskralle an, oder das bittere Schaumkraut, der Wolfeisenhut, der Sumpftarant. Obwohl auch die für ihren Namen nichts können und unseres Schutzes durchaus wert sind.

Von den großen Aussichtsbergen im Bayerischen Wald sieht man an manchem klaren Herbsttag weit nach Süden hinunter, und das Weiße, das sich dann dort unten aufbaut, sind keine Wolken, sondern die Alpen. Die sind ja viel, viel jünger als unser Urgebirge da heroben und daher auch noch viel höher. Als sie sich falteten, haben sie druckschwere Grüße in den Bayerischen Wald gesandt. Das hat sich sogar im harten Gestein ausgewirkt. So entstanden Bruchlinien, die sich heute über weite Strecken hin erkennen lassen. Der Volksmund kennt die Entstehung solcher Linien, wie etwa der „Pfahl“, viel besser. Da war der Teufel im Spiel. Wie sollte denn sonst auch mitten im dunklen Gestein so eine helle Quarzrippe herausstehen dürfen? Wenn es sich irdisch nicht erklären lässt, muss eben das Überirdische herhalten.

Aber erst spät kamen die ersten Menschen, Siedler und Mönche, langsam die Flusstäler herauf, vor allem am Regenufer entlang. Und fanden am Ende einen bequemen Übergang in ein fruchtbares Becken, das heute Böhmen heißt. Ganze Völkerscharen kamen hier durch, waren sicher recht laut in der Gegend der Further Senke.
Diesen Weg von Böhmen über heutige Furth im Wald nach Bayern herein haben vermutlich auch zur Völkerwanderungszeit die Bajuwaren genommen, als sie in ihr gelobtes, weißblaues Bierland einströmten. Nur – sicher weiß das niemand. Es kann auch anders gewesen sein.

Eins steht allerdings fest: Auch heute noch lässt es sich trefflich „umherziehen“ auf dem Grünen Dach Europas, dem größten zusammenhängenden Waldgebirge Mitteleuropas. Waldwoge an Waldwoge, mit über 130 Gipfeln höher als 1.000 Meter. Auf historischen Handelswegen zwischen Donau und Böhmen, auf den Spuren von Salzsäumern, Glashändlern und Panduren.

Doch Vorsicht bei so vielen herrlichen Wanderrouten – das kann süchtig machen .....

 

Wir wünschen Ihnen viel Freude und schöne Stunden bei Ihrer Entdeckung des Bayerischen Waldes auf Schusters Rappen!

(Textquelle: Broschüre Grenzenlos wandern Bayerischer Wald, Herausgeber Tourismusverband Ostbayern)


Übersicht über die bekanntesten Touren und Wanderungen im Bayerischen Wald
(teilweise grenzübergreifend!)

Baierweg
Insgesamt 155km, 7 Tagesetappen, von Straubing oder Mariaposching nach Furth im Wald
Böhmweg
Insgesamt 54km, 4 Tagesetappen, von Deggendorf nach Bayerisch Eisenstein

Gunthersteig
Insgesamt 88km, 4 Tagesetappen, von Niederalteich über Rinchnach und Zwiesel zum Grenzübergang Gsenget

Goldener Steig
-Verbindung Passau – Goldene Steige, 53km, 3 Tagesetappen
-Prachatitzer Weg: Röhrnbach über Bischofsreut nach Prachatitz, 59km, 2 Tagesetappen
-Winterberger Steig: Röhrnbach über Philippsreut nach Vimperk, 27km
-Bergreichensteiner Weg: Röhrnbach nach Finsterau, 31km
-„Gulden Strass“: Grafenau nach Waldhäuser, 13km

Pandurensteig
Insgesamt 131km, 8 Tagesetappen, von Waldmünchen nach Passau

Gläserner Steig
Insgesamt 99km, 6 Tagesetappen, vom Lamer Winkel nach Grafenau

Europäischer Fernwanderweg E6;
„Ostsee-Wachau-Adria“
insgesamt 163km, 9 Tagesetappen, von Waldmünchen bis zum Dreisessel

Europäischer Fernwanderweg E8;
„Nordsee-Rhein-Main-Donau-Karpaten“
insgesamt 217km, 9 Tagesetappen, von Regensburg bis Oberkappel (Oberösterreich)


Bitte bei Grenzübertritt beachten:
Deutsche Staatsbürger benötigen beim Grenzübertritt einen gültigen Personalausweis. Bei außereuropäischen Reisenden Visa-Regelung beachten! Beachten Sie beim Übertritt auch die Zollbestimmungen (Info: 09431/8016). Da Deutschland mit der Tschechischen Republik noch kein gegenseitiges Krankenversicherungsabkommen hat, empfiehlt es sich, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen und die Versichertenkarte der Krankenversicherung mitzunehmen. Ansonsten unterliegt der Aufenthalt in der Tschechischen Republik den gleichen Regeln wie der Aufenthalt in den westlichen Ländern Europas.

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